Unter dem
Görlitzer Bahnhof

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Analog, Berlin, Deutschland, Frühling, Kreuzberg, neues altes, Schwarz/Weiss

©1980 Werner Lange | 80031701 | Berlin | Kreuzberg | In der Pissrinne unter dem Görlitzer Bahnhof.
Blick in Richtung Liegnitzer Straße.


©1980 Werner Lange | 80031702 | Berlin | Kreuzberg | In der Pissrinne unter dem Görlitzer Bahnhof.
Blick in Richtung Oppelner Straße.

„Der Görlitzer Bahnhof im Berliner Ortsteil Kreuzberg war Ausgangspunkt der Eisenbahnstrecke über Cottbus nach Görlitz. Auf dem ausgedehnten Bahnhofsgelände befindet sich seit den 1990er Jahren der Görlitzer Park. Den Namen Görlitzer Bahnhof trägt heute nur noch der in der Nähe gelegene U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof.

Im Nordwesten des Geländes liegt der Spreewaldplatz, der damalige Bahnhofsvorplatz. Im Norden schließt der Lausitzer Platz mit der zwischen 1890 und 1893 nach Planungen von August Orth erbauten Emmauskirche das Gebiet ab, getrennt vom Bahnhofsgelände durch den Viadukt der auf der heutigen Skalitzer Straße verlaufenden Hochbahntrasse der ersten Berliner U-Bahn. Im Süden grenzt das Gelände an den Landwehrkanal und damit an den Ortsteil Alt-Treptow.

Der Görlitzer Bahnhof war Endpunkt einer Privatbahnlinie des „Eisenbahnkönigs“ Strousberg, der Berlin-Görlitzer Eisenbahn, dort mit Anschlüssen nach Breslau und Wien. Das Bahnhofsgebäude im Neorenaissancestil geht wie die Emmauskirche auf Entwürfe des Architekten August Orth zurück. Der Baubeginn lag im Jahr 1865. Da das Gelände sehr weitläufig war, wurde als Abkürzung für querende Fußgänger etwa in der Mitte unter dem Bahnhofsgelände zwischen dem Ende der Liegnitzer Straße und der Oppelner Straße ein Fußgängertunnel, der sogenannte „Görlitzer Tunnel“, angelegt. Gelegentlich wurde der rund 180 Meter lange Tunnel auch als die „Harnröhre“ bezeichnet.

Am 13. Juni 1866 fuhr hier der erste Zug: Ein Militärzug in den Preußisch-Österreichischen Krieg. Am 31. Dezember 1867 wurde die komplette Strecke der Görlitzer Bahn eröffnet. Vorher reichte sie nur bis Cottbus. Der Görlitzer Bahnhof war – wie die meisten Fernbahnhöfe in Berlin – ein Kopfbahnhof.

Die Eisenbahn nach Görlitz verlief durch die Landschaften Spreewald und Niederlausitz, woran auch die Namen der umliegenden Plätze erinnern. Der Bahnhof war über ein in das Pflaster der Skalitzer Ecke Gitschiner Straße eingelassenes Gleis mit den Gaswerken an der Prinzenstraße (heute Böcklerpark/Prinzenbad) verbunden, die auf diesem Weg auch mit Kohle versorgt wurden. Im Fahrplan von 1914 gab es vom Görlitzer Bahnhof Züge über Cottbus nach Görlitz und nach Breslau.
Stadtplan 1902: das Gebiet rund um die Lohmühleninsel. Der Görlitzer Bahnhof lag nordwestlich der Insel

Seit 1902 passiert die Berliner U-Bahn die Skalitzer Straße, sie hält unter anderem auch an einem gleichnamigen Hochbahnhof.

In den 1930er-Jahren war geplant, den Kopfbahnhof aufzugeben und dafür das gesamte Areal über eine als Ost-West-S-Bahn bezeichnete Tunnelstrecke bishin zum Anhalter Bahnhof anzuschließen. Vorgesehen war eine Station Görlitzer Bahnhof unmittelbar am Spreewaldplatz. Nach 1945 wurden diese Pläne seitens des Berliner Senats weiterverfolgt und erst 1985 aufgegeben.

Am 29. April 1951 wurde am Görlitzer Bahnhof der letzte Vorortzug nach Königs Wusterhausen abgefertigt. Einen Tag später übernahm die elektrische S-Bahn diese Verbindung über Ostkreuz, ohne West-Berlin zu durchfahren.

Im Zweiten Weltkrieg war das Bahnhofsgebäude beschädigt worden. Nach dem Wegfall des Zugverkehrs wurden die Gebäude auf Betreiben des damaligen Bausenators Rolf Schwedler trotz Protesten der Kreuzberger Kiezbewohner in den Jahren zwischen 1961 und 1967 schrittweise abgebrochen. Begründet wurde dies mit dem Ziel der Neubebauung des nicht mehr benötigten Bahngeländes, die jedoch niemals erfolgte. Auch zum Bau der in den 1970er Jahren geplanten Südtangente der Stadtautobahn über das Gelände des Bahnhofs ist es niemals gekommen. In den 1980er-Jahren wurde dann ein Erlebnisbad unter dem Namen Spreewaldbad erbaut, und ein Stadtteilpark nach Plänen der Freien Planungsgruppe Berlin auf dem Bahngelände errichtet. Die noch vorhandenen Güterschuppen wurden in das Konzept einbezogen.

Am Bahnhof Berlin-Schöneweide betrieb die DDR eine Zollabfertigung für West-Berliner Güterzüge, die den Görlitzer Bahnhof von Neukölln her anfuhren. Am 13. August 1961 wurde die Verbindung dann durch den Mauerbau unterbrochen. Danach war der Görlitzer Güterbahnhof nur noch über eine Zufahrt vom Güterbahnhof Treptow zu erreichen. Bis 1985 verkehrten über die Verbindung noch Güterzüge zu auf dem Bahnhofsgelände ansässigen Betrieben (Kieslager, Lagerschuppen einer Spedition, Schrottplatz). An der Landwehrkanalbrücke war dafür extra ein kleiner Grenzübergang eingerichtet worden. Reste der eisernen Beschaubrücke an dieser Stelle sind bis heute erhalten. Heute erinnern nur noch ein kurzes Stück Gleis östlich der Kanalbrücke und zwei ehemalige Güterschuppen im Görlitzer Park an die ehemalige Bahnhofsnutzung.

Auf dem Gelände des alten Görlitzer Bahnhofs befindet sich seit den 1990er Jahren der Görlitzer Park, in den einige Überbleibsel des Bahnhofs integriert sind. So verbanden im Süden des heutigen Parks mehrere Eisenbahnbrücken das Bahnhofsgelände mit dem Bezirk Treptow, von denen noch eine erhalten ist und als Fußgängerbrücke direkt vom Park südlich der Lohmühleninsel über den Landwehrkanal führt. Ebenfalls im südlichen Teil des Geländes, in der vom Görlitzer Ufer und der Wiener Straße gebildeten Ecke, befand sich ein Lokschuppen mit Drehscheibe. An dieser Stelle besteht heute ein Hügel mit Rutsche und Schlittenbahn.

Der Görlitzer Tunnel war bis mindestens Ende 1989 noch begehbar und wich mit der Öffnung des Parks einer großen Mulde in der Mitte des Parks, die eine Art natürliche Arena bildet. Die ehemaligen Mauern des Tunnels wurden als Gestaltungselement mit einbezogen und sind noch heute erkennbar.“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Görlitzer_Bahnhof

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1 Kommentar

  1. Manchmal sind wir Silvester mit unseren billigen Pfennig-Schwärmern da rein und wenn man die dort zündete, hörte sich das an, wie wenn man einen fetten „Kubaner“ gezündet hatte.

    In den früheren und mittleren Siebzigern befanden sich gegenüber dem Ausgang Wiener Straße in den Räumen des ehemaligen Kinos „Wiener Lichtspiele“ verschiedene Diskotheken wie „Bronx“, davor „Mando“, davor „Orconum“ und zur ersten Rauch-Haus-Zeit auch die Disco „Wiener Lichtspiele“. Entweder hat die Polizei oder irgendwelche Rockergruppen die Läden jeweils zertrümmer aber immer wieder kam was Neues da rein…

    http://www.allekinos.com/BERLINWienerLS.html

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