Schwerbelastungskörper

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Berlin, Deutschland, Digital, neues altes, Sommer, Tempelhof

©2012 Wer­ner Lan­ge | 20120909 | Ber­lin | Tempelhof

Am nörd­li­chen Ende der Gene­ral-Pape-Stra­ße, nahe der Kolon­nen­brü­cke, erin­nert ein rie­si­ger Beton­block an die gigan­to­ma­ni­schen Pla­nun­gen Albert Speers zur Umge­stal­tung Ber­lins. Im Auf­trag der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­ha­ber ent­warf Albert Speer, seit 1937 Gene­ral­bau­in­spek­tor für die Reichs­haupt­stadt, die gewal­ti­ge Nord-Süd-Ach­se, an der die wich­ti­gen poli­ti­schen, mili­tä­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen der deut­schen Haupt­stadt kon­zen­triert wer­den soll­ten. Mit dem 1941/42 aus­ge­führ­ten Groß­be­las­tungs­kör­per soll­te die Trag­fä­hig­keit des Unter­grunds für die Monu­men­tal­bau­ten der Nord-Süd-Ach­se, ins­be­son­de­re für den Tri­umph­bo­gen unter­sucht wer­den. Albert Speer hat­te den Tri­umph­bo­gen, unter Ver­wen­dung einer Skiz­ze Adolf Hit­lers aus den 1920er Jah­ren, als Gegen­stück zur Gro­ßen Hal­le kon­zi­piert. Die Pla­nung war 1936/37 been­det. Der Tri­umph­bo­gen, gedacht als Ehren­mal für die Toten des Ers­ten Welt­kriegs, soll­te 117 Meter hoch wer­den und den Platz an der Kreu­zung der Nord-Süd-Ach­se mit der zum Flug­ha­fen Tem­pel­hof füh­ren­den Quer­ach­se betonen.

Um das Set­zungs­ver­hal­ten des Bodens ein­schät­zen zu kön­nen, wur­de eine auf­wen­di­ge Ver­suchs­an­la­ge auf­ge­baut. In der Nähe des geplan­ten Stand­orts ließ die mit den Boden­un­ter­su­chun­gen beauf­trag­te Deut­sche Gesell­schaft für Boden­me­cha­nik (Dege­bo) den 12.650 Ton­nen schwe­ren Groß­be­las­tungs­kör­per auf­stel­len. Die Her­stel­lung des Belas­tungs­kör­pers über­nahm die Fir­ma Dycker­hoff & Wid­mann. Er besteht aus einem bis zur Grün­dungs­tie­fe von 18,2 Meter auf eine Mer­gels­chicht rei­chen­den Beton­zy­lin­der von 13 Metern Durch­mes­ser, der einen zylin­dri­schen Belas­tungs­kör­per mit Mess­kam­mern und den Mess­ge­rä­ten auf­nahm. Über der Erd­ober­flä­che wur­de dar­auf ein fünf Meter aus­kra­gen­der Belas­tungs­kopf mit einer Gesamt­hö­he von 14 Metern auf­ge­setzt. Bis zum 1. Juni 1944 nutz­te die Dege­bo den Groß­be­las­tungs­kör­per für Belas­tungs­mes­sun­gen, doch die Aus­wer­tung wur­de erst 1948 vor­ge­nom­men, als lan­ge fest­stand, dass Hit­lers Tri­umph­bo­gen nie gebaut wer­den wür­de. Ergeb­nis der Unter­su­chung war, dass der Grund der Belas­tung durch den Tri­umph­bo­gen nicht in der gewünsch­ten Sta­bi­li­tät stand­ge­hal­ten hät­te und wei­te­re Ver­dich­tungs­maß­nah­men not­wen­dig gewe­sen wären. Die Dege­wo führ­te auf dem Gelän­de noch bis 1977 Belas­tungs­mes­sun­gen durch. Der Groß­be­las­tungs­kör­per ist der ein­zi­ge gebau­te Rest, der im geplan­ten Ver­lauf der Nord-Süd-Ach­se auf die mega­lo­ma­ni­schen Absich­ten der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Stadt­pla­nung hinweist.

Quel­le: Lan­des­denk­mal­amt Berlin
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09055087
Datum des Zugriffs: 26.01.2019

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